Geschichte

Plantahof: Bildungsstätte für Berg und Tal

Der Plantahof ist das landwirtschaftliche Kompetenzzentrum Graubündens mit Aus- und Weiterbildung, Beratung und Gutsbetrieb. Die weitverzweigte Tal- und Berglandschaft bietet ein faszinierendes Spektrum.

Rund 120 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche

Der Satz klingt wie ein frecher Spruch, scheint aber doch ins Schwarze zu treffen. Rolf Hug, Leiter Gutsbetrieb im landwirtschaftlichen Kompetenzzentrum Plantahof in Landquart, fasst zusammen, was vor allem junge Leute zu Tisch bewege: «Junkfood unter der Woche, Bio bis Pro Specie Rara am Wochenende.» So sieht er zum Beispiel einen Trend in der Kleinviehhaltung: «Ziegen- und Schafmilchprodukte sind gefragt», die Milch sei bekömmlicher für Menschen mit Laktoseintoleranz, und «es böckelet nicht mehr» wie einst, als in engeren, wärmeren Ställen geschlechtsreife Böcke in der Herde für kräftige Geruchswolken sorgten.

Rund 120 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche plus 150 Hektar Alpweide gehören zu den Plantahof-Gutsbetrieben in Landquart (Hauptsitz und Ganda), Chur (Waldhaus) und Parpan; weiter eine Sennerei und eine Weinkellerei in Landquart, Hofläden in Landquart und Chur sowie die regionalen Beratungsstellen Nordbünden, Surselva, Mittelbünden, Safien, Glarus, Scuol, Santa Maria und Samedan. Und nicht zu vergessen die zwei Hektar Rebfläche in Malans, ein Hektar IP, der andere Bio. 

Dies alles bildet ein weiträumiges, übers Kantonsgebiet verteiltes Dach, eine «emotionale Heimat für Menschen im ländlichen Raum», so das Leitbild des Plantahofs. Aus- und Weiterbildung stehen an erster Stelle, Beratung und Gutsbetriebe mit Praxisversuchen an nächster. Der Hof wurde 1811 von Thomas Lareda gegründet, einem aus Russland heimgekehrten Zuckerbäcker, 1886 von Rudolf Alexander von Planta übernommen, der auf Braunviehzucht setzte. 1895 starb von Planta. In seinem Testament schenkte er das Gut dem Kanton mit der Auflage, stets Braunvieh zu züchten und eine landwirtschaftliche Schule einzurichten. Ein Jahr später wurde die Schule eingeweiht und der Hof nach seinem Stifter benannt. «Rindviehhaltung ist immer noch der stärkste Zweig im Plantahof», erklärt Rolf Hug. Ein Trend sei Kleinvieh mit Schafen und Ziegen, «die Bündner Strahlenziege hat hier ihren Ursprung», Schweinehaltung hingegen verliere an Bedeutung «ausser Alpschweine». Die Aufgaben und Projekte zielen immer stärker in enger definierte Bereiche, etwa das Walnussprojekt: Um die Nusstorte mit heimischen Nüssen bestücken zu können, werden ideale Standorte für Walnussbäume gesucht. Die Bäume mögen keine Kälte und schätzen ähnliche Lagen wie Reben. 

Graubünden: Ein komplexes Forschungsfeld

Den Kanton Graubünden bildet ein feingliedriges Netz unterschiedlichster Terroirs, Höhenlagen, Ausrichtungen, Bodenbeschaffenheiten, Klimazonen, Bearbeitungsmethoden, Nutzungsarten von Spargelfeld bis Alpweide, Kartoffelacker bis Buchweizenkultur, Kräuterbeet bis Bergerdbeergarten. Nirgends in der Schweiz lassen sich vergleichbare Voraussetzungen für ein derart komplexes Forschungsfeld in der Berglandschaft finden – vielleicht noch im Wallis.

22 Praxisversuche und Monitorings sind im Jahresbericht 2016/17 und 2017/18 des Plantahofs verzeichnet: Themen wie Herdentrennung bei Milchkühen, weniger Kraftfutter bei der Kälberaufzucht, verschiedene Gräsertypen, Bioanbau von Speisehanf, Gitzimast mit Kuhmilch, Beobachtungen diverser Schädlinge wie marmorierte Baumwanze, Japankäfer, Maiswurzelbohrer, Möhrenfliege – und Kirschessigfliege. In Maienfeld, Malans und Zizers werden seit 2013 auf Blauburgunderparzellen wöchentlich Fallen kontrolliert und die gefangenen Kirschessigfliegen gezählt. In einem weiteren Versuch wird beobachtet, ob sich mit dem Gesteinsmehl Kaolin die Eiablage der Kirschessigfliege reduzieren lässt. 

Nichts ist schlimmer für Winzerinnen und Kellermeister, wenn am Ende aller Arbeit Essig statt Wein im Fass liegt. Der «Essigstich» beschäftigt den Weinbau schon seit eh und je. Wie weit die Bemühungen geführt haben, zeigt ein – aus heutiger Sicht durchaus kurioser – Vergleich mit Methoden aus vergangenen Zeiten. 

Das Rezept aus dem 16. Jahrhundert klingt wie eine magische Formel und zeugt vom Glauben, das Prinzip Hoffnung realisieren zu können. Die Anleitung steht in «Ein schön Kochbuch 1559»,dem ältesten deutschsprachigen Kochbuch der Schweiz. In einem Zürcher Estrich entdeckt, wurde die Sammlung von Handschriften mit 515 Rezepten aus der bischöflichen Küche in Chur von Walter Letsch und einer Equipe transkribiert und ediert, dann 2018 vom Staatsarchiv Graubünden publiziert.

Alte Weisheit

Wein der auff den Essich sticht wiederumb zu recht zu Bringen
Wein mit Essigstich wieder in Ordnung zu bringen

Nimm einen neuen Hafen, fülle ihn voll Wasser, verschliess ihn gut, dass kein Wasser herauskommen kann, stelle den Hafen in das Fass mit dem Wein, so wird der Wein in drei Tagen wiederum gut und das Wasser im Hafen stinkend.

Informationen zum Plantahof finden Sie hier