Geschichte

Francisca und Christian Obrecht: Ein kreatives Winzerpaar

Die Obrecht-Weine aus der Bündner Herrschaft, genauer jene vom Weingut zur Sonne aus Jenins, die kennt jeder. Sie sind ein Genuss. Ihr Markenzeichen: authentisch und echt. Hinter diesen eigenständigen, biologisch produzierten Weinen, stehen Francisca und Christian Obrecht. Beide sind experimentierfreudig und sehr «gspürig».

Vom Labor in den Rebberg

Als Winzerin arbeiten? Einst ein abwegiger Gedanke für Francisca Obrecht – bis sie Christian, den Winzer und ausgebildeten Önologen FH, aus Jenins, heiratete und sich mit der Zeit fragte, wie sie sich vielleicht doch besser in dieses Fachgebiet einbringen könnte. Viel Vorwissen brachte sie durch ihre Ausbildungen mit. Noch bis vor gut zehn Jahren arbeitete Francisca Obrecht, gelernte Landwirtin mit anschliessendem Biotechnologiestudium, in einem Labor.

Mit der Vespa auf Kontrollgang

«Damals», sagt sie, «habe ich lieber ein Bier getrunken». Heute ist das anders. Sie fährt oft mit ihrer alten Vespa in die Rebberge und schaut nach ihren Trauben. Die Weine, die sie mit ihrem Mann Christian keltert, sind vielschichtig, eigenständig, Genuss pur. Sie tragen in vielen Belangen ihre Handschrift. Die Trauben wachsen auf sechseinhalb Hektaren auf 13 Parzellen in Jenins und in Malans. Alle Trauben der 13 Parzellen und ebenso die zugekauften werden separat gekeltert. «So schmeckt jeder Wein eigenständig und anders». Wein produziert wird von der Familie Obrecht in der fünften Generation. Vor zehn Jahren übernahm Christian mit Francisca die Führung des Betriebes. Er, der Künstlertyp, den Kopf oft voller neuer Ideen, sie die Pragmatischere, aber Experimentierfreudigere, ergänzen sich gut. «Es ist etwas vom Schönsten für mich, so unterschiedliche Produkte, vom Blauburgunder bis zum Completer, herstellen zu dürfen». Die Winzerin wider Willen ist heute eine glückliche Winzerin, eine die sich mit Herzblut einbringt. «Es macht mir einfach grosse Freude. Und zu sehen, wie sich unsere eigene Faszination am Ende der Produktionskette, wenn die Menschen unsere Weine trinken, vervielfacht, ist unglaublich schön.» Der Genuss dauert jährlich 80`000 Flaschen lang.

«Wir versuchen, den Charakter der Trauben zu erkennen»

Francisca und Christian versuchen, den Charakter der Traube zu erkennen und diese in ihren Eigenheiten zu unterstützen. «Wir bestärken unsere Kinder in ihrer Entwicklung ebenso wie unsere Trauben. Dafür braucht es viel Gespür. Wir vertrauen auf unsere Beobachtungen im Rebberg und wissen genau, wann eine Traube reif ist. Dazu müssen wir nicht zuerst den PH-Wert bestimmen oder die Oechslegrade kennen. Wächst aufgrund der Witterung ein einfacher Jahrgang heran, halten wir uns beim Ausbau zurück. Denn so einen Wein sollte man nicht im Barrique ausbauen. Das macht ihn nicht besser. Wir wissen aber auch: Wenn sich die Traube gegen widerwärtige Bedingungen wehren und sich durchsetzen muss, dann hat sie eine gewisse Stärke. Das schlägt sich im Aroma nieder. Wenn man ausserdem weiss, was beim Stoffwechsel der Traube geschieht, kann man viel besser experimentieren.»

Stehenbleiben, verharren, sich nicht weiter entwickeln: Nein, das ist nicht das Ding des kreativen Winzerpaares. «Es braucht Mut, vorwärts zu gehen, etwas zu verändern, auszuprobieren, zu experimentieren. Das Geld darf kein Kriterium sind, denn sonst wagt man nichts. Unser Schaumwein ist aus so einem Experiment heraus entstanden. Wir wollen noch bessere Produkte herstellen», sagt Francisca. Darum setzen wir auf Bio. Denn 90 Prozent der Qualität entsteht im Rebberg.»

«Wir wollen keinen Hochleistungs-Wingert»

«Wir haben vor drei Jahren begonnen, biologische Weine zu produzieren. Wir haben schon Jahre zuvor auf Kunstdünger und Herbizide verzichtet, dann auch auf chemisch-synthetische Spritzmittel. So bereiteten wir den Weg zu unserer Bio-Produktion vor. Natürlich ist das alles mit Mehrarbeit verbunden. Aber wir wollen nachhaltig produzieren. Ein Bio-Wingert ist in gesundem Stress, wird aber nie zu einem Hochleistungs-Wingert. Im Sport ist das ähnlich: Mit Doping erbringst du Höchstleistungen, doch leistest du etwas aus eigener Kraft, dann steht dahinter viel Charakter. Für uns ist klar, dass man nur daran wächst, wenn einem nicht alles in den Schoss gelegt wird. Unsere Weine dürfen sich ebenfalls entwickeln. Das macht sie einzigartig und authentisch.»